Seidenbandmuster im «Style Bulgare»
Der Balkankrieg von 1912 gab der Mode eine neue Geschmacksrichtung, die bis in die Seidenbänder hineinwirkte. Der «Style Bulgare» brachte auf den Bändern «grelle Farbeffekte in zumeist schwerfälligen Dessins» hervor, wie ein zeitgenössischer Berichterstatter mit einigem Erstaunen notierte. Die abgebildeten Muster der Firma Sarasin zeigen diesen Stil.
Die Sympathie mit dem Balkanbund, im Herbst 1912 vom Krieg gegen das Osmanische Reich ausgelöst, veränderte auch die Farbwahl der Uni-Bänder. Gefragt wurden vermehrt grelle Töne, von Schwefelgelb bis zum dunklen Orange, «unendliche Abstufungen von vieuxbleu, Saphir, Marine, vert und Tango». Diese neue Lust auf Farbe belebte nach Jahren der Flaute den Absatz der Seidenbänder. 1913, so schien es dem Berichterstatter aus der Basler Seidenindustrie, kündigte sich nach mageren Jahren vielleicht sogar der Übergang zu besseren Zeiten an. (Aus dem Jahresbericht der Handelskammer, 1913, S. 100ff.)
Die Hoffnung zerschlug sich schon im Folgejahr. Die Zeit, in der Seidenbänder auf Hüten und Kleidern ein wichtiges Element der Damen- und Herrenmode waren, ging zu Ende; der Trend zur Schlichtheit liess sich nicht aufhalten. Da das Seidenband lange zu den Exportschlagern gehörte, war sein Wegfall für Basel und die Region ein herber Verlust — einer, von dem sich die einst blühende Bandindustrie nicht mehr erholen sollte.
Die Seidenbänder erzählen von Modetrends, vom politischen Weltgeschehen und wirtschaftlichen Verflechtungen.
Hergestellt wurden diese Seidenbänder durch die Firma Sarasin & Cie. in Lörrach. Die Fabrik wurde 1837 von Carl Sarasin-Heusler und seinem ältesten Sohn Karl Sarasin(-Vischer)-Sauvain gegründet. 1861 wurde die Lörracher Filiale gegründet und im gleichen Jahr kam eine weitere Fabrik in Sissach dazu.
Die Musterbücher der Firma Sarasin befinden sich im Historischen Museum Basel. (HMB, Inv. 1980. 548.)